Matthias Gläßner IT-Lösungen TYPO3-Expertise seit 2007

Upgrade-Planung · Risiko & Budget · Technik & Redaktion

TYPO3 Upgrade Checkliste:
So planen Sie ein sicheres Upgrade auf aktuelle LTS-Versionen

Ein TYPO3 Upgrade ist kein „einmal Core tauschen“ – sondern ein Projekt, das Code, Daten, Infrastruktur und Organisation betrifft. Diese Checkliste hilft IT, Fachbereichen und Management, ein Upgrade von v6–v11 auf aktuelle LTS-Versionen (z. B. v14) strukturiert vorzubereiten – und typische Überraschungen zu vermeiden.

Fokus: Bestands- & High-Risk-Systeme v6–v11 Für Agenturen, Verbände, Behörden & Mittelstand

1. Vorbereitung & Bestandsaufnahme

Bevor eine einzige Zeile Code angefasst wird, sollten Sie klar beantworten können: Was upgraden wir überhaupt? und Warum jetzt?

  • ✔️ Aktuelle TYPO3-Version & ELTS/LTS-Status klären → ggf. Version-Check
  • ✔️ Liste aller Domains / Portale / Sites (inkl. Sprachvarianten)
  • ✔️ Übersicht über Extensions (Core, TER, Composer-Pakete, Eigenentwicklungen)
  • ✔️ Infrastruktur erfassen (Hosting, PHP-Version, Datenbank, Cache-Systeme)
  • ✔️ Integrationen sammeln (CRM, ERP, DAM, Suche, Single Sign-on, Drittsysteme)

Auf Basis dieser Fakten lässt sich bewerten, ob ein reines Upgrade, ein Hybridansatz (Upgrade + Refactoring) oder ein Neuaufsetzen mit Migration sinnvoll ist. Hier hilft oft ein TYPO3 Audit.

2. Upgrade-Strategie & Scope festlegen

Nicht jedes Upgrade muss alle Probleme lösen – aber ein unklarer Scope ist der häufigste Grund, warum Upgrades zu spät, zu teuer und zu nervenaufreibend werden.

Technischer Scope

  • • Zielversion festlegen (z. B. v12 LTS, v13 LTS)
  • • Schrittweises Upgrade vs. Sprung (v9 → v10 → v11 → v12)
  • • Umgang mit Alt-Extensions (ersetzen, refactoren, entfernen)
  • • Anpassungen an PHP-Version & Serverumgebung

Fachlicher Scope

  • • Welche Features müssen 1:1 erhalten bleiben?
  • • Welche „Baustellen“ werden bewusst geschoben?
  • • Gibt es Anforderungen an Barrierefreiheit (WCAG/BITV)?
  • • Müssen neue Governance- oder Rollenmodelle berücksichtigt werden?

Eine klare Strategie reduziert Diskussionen später im Projekt und bildet die Grundlage für Aufwandsschätzung und Meilensteine – z. B. im Rahmen eines Upgrade-Pakets.

3. Technik-Check & Risikoanalyse

Bevor es in die Umsetzung geht, sollte klar sein, wo die größten technischen Risiken liegen. Eine fokussierte Analyse spart später viel Budget.

Checkliste Code & Extensions

  • • Deprecation-Logs auswerten
  • • Prüfung auf veraltete TYPO3-APIs (Extbase/Fluid, TCA, Hooks)
  • • Abhängigkeiten von Dritt-Extensions & TER-Status prüfen
  • • Eigenentwicklungen klassifizieren (kritisch/unkritisch)

Checkliste Infrastruktur & Integrationen

  • • PHP-Version & Kompatibilität mit Ziel-TYPO3-Version
  • • Datenbank (Version, Charset, Storage-Engine)
  • • Cache-Systeme (Redis, Varnish, CDN)
  • • Schnittstellen (REST/SOAP, Solr/Elastic, CRM/ERP)

Das Ergebnis sollte eine Risikoliste mit Prioritäten sein – idealerweise ergänzt um eine grobe Aufwandsbandbreite. Dazu passt ein strukturiertes Testing-Konzept, das von Anfang an mitgedacht wird.

4. Testing & Qualitätssicherung von Anfang an einplanen

Ein Upgrade ohne Testing ist wie ein Relaunch ohne Preview: möglich, aber nicht ratsam. Die gute Nachricht: Es braucht kein perfektes Testlabor – ein pragmatisches Setup reicht.

Testarten für Upgrades

  • • Smoke-Tests (zentrale Seiten & Funktionen erreichbar?)
  • • Fachliche Regressionstests (wichtige Journeys & Formulare)
  • • Technische Tests (z. B. Cronjobs, Scheduler, Schnittstellen)
  • • Optionale E2E-Tests für kritische Self-Service-Strecken

Organisation der Tests

  • • Verantwortlichkeiten festlegen (IT, Fachbereiche, Agentur)
  • • Checklisten für manuelle Tests definieren
  • • Testdaten & Testumgebungen vorbereiten
  • • Integration in CI/CD (z. B. GitLab CI, Deployer)

Mehr Details dazu im Artikel Testing in TYPO3-Projekten und im Bereich Deployment.

5. Go-Live-Plan & Rollback-Strategie

Der eigentliche Go-Live ist die Spitze des Eisbergs – und meist nur dann spannend, wenn die Vorbereitung nicht sauber war. Eine klare Checkliste für den Umstellungstag entspannt alle Beteiligten.

Go-Live-Checkliste

  • • Wartungsfenster & Kommunikationsplan abgestimmt
  • • Vollständiges Backup (Datenbank, Files, Konfiguration)
  • • DNS-/Routing-Änderungen vorbereitet
  • • Monitoring & Logging aktiviert
  • • Eskalationswege & Ansprechpartner definiert

Rollback-Strategie

  • • Klare Kriterien für „Rollback nötig“ definiert
  • • Technisch getesteter Rollback-Prozess
  • • Dokumentierter Ablauf (mit Zeiten & Verantwortlichen)
  • • Plan für Post-Mortem & Lessons Learned

Gerade bei Behörden & Verbänden sind Verfügbarkeit und Compliance kritisch. Hier lohnt sich eine enge Verzahnung mit Security & DSGVO sowie Qualitäts- & Sicherheitsstandards.

6. Nach dem Upgrade: Stabilisierung & Optimierung

Nach dem Go-Live ist vor dem Feinschliff. Jetzt zeigt sich, wie gut Governance, Redaktion und Technik zusammenspielen.

Stabilisierung in den ersten Wochen

  • • Monitoring von Fehlerlogs & Performance
  • • Feedback-Kanal für Redaktion & Fachbereiche
  • • Kleines Bugfix-Backlog planen (schnelle Sprints)
  • • Dokumentation der Änderungen aktualisieren

Mittelfristige Optimierungen

  • • Nutzung neuer TYPO3-Features (z. B. Backend-UX, Workspaces)
  • • Verbesserungen an Content-Struktur & Suche
  • • Ausbau von Testing & CI/CD
  • • Planung der nächsten Release-Zyklen

Häufige Fragen zur TYPO3 Upgrade Checkliste

Einige Fragen tauchen in Gesprächen zu Upgrades immer wieder auf:

Wie früh sollten wir mit der Upgrade-Planung beginnen? ›
Idealerweise planen Sie ein größeres Upgrade mindestens 6–12 Monate, bevor der reguläre Security-Support Ihrer aktuellen Version endet. So bleibt genug Zeit für Audit, Planung, Umsetzung, Testing und Go-Live – ohne Ad-hoc-Druck.
Können wir ein Upgrade auch mit bestehender Agentur durchführen und Sie nur beratend einbinden? ›
Ja – das ist ein häufiges Modell. Ich unterstütze z. B. bei Audit, Architekturentscheidungen, Risikoanalyse und Testing-Konzept und arbeite eng mit Ihrer bestehenden Agentur oder Ihrem Inhouse-Team zusammen. Ziel ist, das Upgrade planbar & dokumentiert zu machen, nicht bestehende Partner zu ersetzen.
Unser System ist „historisch gewachsen“ – hilft diese Checkliste trotzdem? ›
Gerade dann ist eine klare Checkliste hilfreich. Sie zwingt dazu, Bestandsaufnahme, Risiken und Scope auszusprechen, statt „einfach mal loszulegen“. In sehr komplexen Systemen ist zusätzlich ein Upgrade-Audit sinnvoll, um belastbare Aufwandsbandbreiten und eine Roadmap zu erhalten.
Wie detailliert muss unsere interne Dokumentation vor dem Upgrade sein? ›
Perfekte Dokumentation ist selten vorhanden – und auch keine Voraussetzung. Wichtig sind zunächst:
  • eine Liste der Extensions & Integrationen,
  • Informationen zur Infrastruktur,
  • und eine grobe Übersicht über kritische Prozesse.
Vieles lässt sich im Rahmen eines Audits oder Kick-off-Workshops ergänzen und zukünftige Releases können dann besser dokumentiert werden.

Passende Unterstützung für dieses Thema

Wenn Sie Upgrade-Risiken, Aufwand und die nächsten technischen Schritte für Ihr TYPO3-System konkret bewerten oder umsetzen möchten, unterstütze ich Sie mit TYPO3 Upgrades. Für eine strukturierte Bestandsaufnahme oder Priorisierung ergänzt TYPO3 Audit & Code Review.

Sie planen ein TYPO3 Upgrade und möchten Risiken reduzieren?

Ob v6–v8 Altsystem, komplexes Multiportal oder Upgrade aus einem festgefahrenen Projekt – mit einer klaren Checkliste, einem Audit und einem pragmatischen Testing-Setup wird Ihr Upgrade steuerbar. In einem kurzen Erstgespräch klären wir, wo Sie aktuell stehen und welche Bausteine (Audit, Upgrade-Plan, Testing, Go-Live-Begleitung) für Ihr System sinnvoll sind.